Hi ihr Lieben,

meine letzte Reise ist schon wieder 3 Monate her. Wie die Zeit doch vergeht! Im September letzten Jahres bin ich nach Curacao geflogen, um meinen Freund zu besuchen. Geplant war eigentlich nur ein Monat, aber am Ende sind wir noch mehrere Monate zusammen durch Südamerika gereist! Bevor mein Freund den Job auf Curacao angenommen hatte, hatte ich noch nie etwas von dieser Insel gehört. Curacao liegt östlich von Venezuela und gehört zu den Niederlanden. Ja, ihr habt richtig gehört!! Curacao gehört zwar geologisch zur Südamerikanischen Kontinentalplatte, aber an sich gehört das Land zu den Niederlanden. Ich finde das klingt total verrückt.

Für diesen Trip hatte ich den ganzen Sommer durchgearbeitet aber das war es mir definitiv wert!

Als ich auf Curacao gelandet bin, war die Hitze total erdrückend. Es war super heiß, ganz anders als die Sommer in Deutschland. Curacao ist längst nicht so grün, wie man es erwartet hätte. Alles war ausgetrocknet und es sah aus wie in der Wüste. Zumindest stelle ich mir die Wüste so vor. Aber das Meer ist dafür umso schöner. Es ist glasklar und türkis. Wie es von der Karibik zu erwarten war. Die Hauptstadt Willemstad ist zudem wunderschön. Voller bunter Häuser und kleiner süßer Straßenmärkte mit unglaublich tollem Obst.

Mein Freund arbeitete als Tauchlehrer auf der Insel und bekam von seinen Arbeitgebern ein süßes, kleines Haus mit Dachterrasse gestellt. Wir saßen jeden Abend für 5 Wochen auf diesem Dach und haben uns diesen atemberaubenden Sonnenuntergang angeguckt. Wir hatten den perfekten Ausblick!! Es war das schönste, was ich seit langem gesehen hatte.

Während mein Freund 5 Tage die Woche arbeiten war, habe ich die Insel erkundet, war tauchen, schnorcheln oder habe einfach nur ein Buch am Strand gelesen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele Schildkröten gesehen wie in den Meeren vor Curacao. Ich habe sogar Seepferdchen gesehen. Sie waren ganz klein und schwarz und man hat sie auf dem Meeresboden kaum gesehen. Die Seepferdchen haben sich die ganze Zeit versteckt, aber wenigstens immer an denselben Stellen. So wusste man nach einer Weile, wo sie zu finden sind. Für die meisten Taucher wahrscheinlich nichts Besonderes, aber für mich schon. Denn ich wollte schon seitdem ich 6 Jahre alt war immer mal ein Seepferdchen sehen. Auf Curacao war ich auch das erste Mal Höhlentauchen und Wracktauchen. Was unglaublich aufregend ist.

 Oft habe ich auch einfach nur in der Tauchschule gesessen und mich mit den Leuten dort unterhalten. Am meisten ist mir dabei meine Freundin Iris ans Herz gewachsen. Sie hat an der Bar gearbeitet und hat nie “Nein” gesagt zu einer “guten” Flasche Wein. Sie ist eine wirklich gute Zuhörerin und ein unglaublicher Mensch. Ich bin froh, dass ich sie auf meinem Weg getroffen habe. Wir drei haben viel zusammen unternommen und saßen fast jeden Abend zusammen, um den Tag ausklingen zulassen. Sogar als der Sturm “Matthew” angekündigt wurde und alle zu Hause bleiben sollten, waren wir zusammen und haben es uns bei Kerzenlicht mit Gesellschaftsspielen gemütlich gemacht. Der Strom war ausgefallen und es regnete und stürmte die ganze Nacht. Einmal ist sogar ein Blitz nicht weit von unserem Haus eingeschlagen. Es war beängstigend, denn ich hatte so etwas noch nie zuvor erlebt! Am Ende war der Sturm zum Glück nur halb so schlimm wie er angekündigt wurde. Am schlimmsten wurden die Strände und das Meer verwüstet. Die Strände waren gar nicht mehr begehbar und alle Liegen und Sonnenschirme wurden vom Sand vergraben. Es musste sogar ein Bagger rangeschafft werden, um die riesigen Sandhaufen wieder zu entfernen. 

Nach 4 Wochen wollte ich die Insel und den Kontinent eigentlich wieder verlassen. Aber umso näher das Ende kam, umso weniger wollte ich zurück nach Deutschland. Mein Freund wollte noch weiterreisen, denn wann würde man nochmal die Chance bekommen und so nah an Südamerika sein. Ich habe die ganze Zeit mit mir gerungen, denn ich wusste nicht, was ich tun sollte. Zu Hause wartete mein Jurastudium auf mich, aber auf der anderen Seite wollte ich unbedingt Kolumbien sehen. Ich habe viel geweint und viel mit meinem Freund darüber gesprochen. Wir haben eine Pro und Contra Liste angelegt und über eine mögliche Zukunft nachgedacht. Ich wusste einfach nicht, was die richtige Entscheidung war und wollte mich auch nicht nur wegen ihm für Kolumbien entscheiden. Also habe ich versucht auf mein Herz zu hören. Auf das was ICH wirklich wollte. Ich habe bis zum letzten Tag mit meiner Entscheidung gewartet und hatte sogar schon online für meinen Rückflug nach Deutschland eingecheckt. Aber als ich so mit meinem Freund durch die Gassen von Willemstad geschlendert bin und wir über andere Länder gesprochen haben, habe ich gemerkt, dass ich noch nicht bereit war, um nach Deutschland zurückzugehen. Mein Herz war wo anders. Also habe ich mich 10 Stunden vor meinem Flug dagegen entschieden. Ich war glücklich mit meiner Entscheidung, aber gleichzeitig auch ein wenig verängstigt. Ich habe mir eingeredet, dass es ja nicht so schlimm ist, wenn ich ein paar Wochen von der Uni verpasse und dass ich wieder anfange zu studieren, wenn ich wieder da bin. Aber am Ende ist alles anders gekommen als gedacht! Jedoch ist das eine andere Geschichte …

Und eine Woche später haben wir unser gemeinsames Abenteuer Richtung Kolumbien dann gestartet!

Curacao ist eine wunderschöne Insel und ein faszinierendes Land! Ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen! Jedoch sollte man vorher etwas Geld sparen und sich auf Curacao ein Auto mieten, denn die Städte und Strände sind recht weit auseinander.