Hamburg & Koh Tao im Vergleich 

Ralph Pulst (Inhaber von 7oceans, Hamburg) hat sein Hobby zum Beruf gemacht. 1993 hat er seinen Schein zum Tauchlehrer auf den Malediven absolviert. Doch anders, als in der Traumvorstellung Tauchlehrer, ist Ralph nicht auf den tropischen Malediven mit kristallklarem Wasser, Palmen und endlosen Traumständen geblieben, sondern hat zu Beginn seiner Taucherkarriere in einem Tauchladen im windigen und regnerischen Hamburg gearbeitet. Doch alles nur nebenberuflich. „Anders geht das hier in Deutschland gar nicht, wenn man als Tauchlehrer irgendwie angestellt ist. […] man hat dann einen normalen Job noch nebenbei. Nach Feierabend in der Woche macht man abends noch Theorie [mit den Tauchschülern] oder geht in den Pool und an den Wochenenden geht man raus zum Tauchen“, erinnert sich Ralph.  

Während Ralph gedanklich in den 90er ist, denke ich über meine Zeit als Dive Master Trainee auf Koh Tao, Thailand nach. Im letzten Winter habe ich drei Monate auf einer kleinen tropischen Insel im Golf von Thailand gelebt. Also quasi im Paradies. Die kilometerlangen weißen Sandstrände zieren sich mit Palmenbäumen, kleine Bungalows mit Strohdächern bieten ein Gefühl wie bei „The Beach“ und graue, heiße Teerstraßen gibt es selten. Fast jeden Tag bin ich morgens um 7 Uhr mit der Sonne aufgestanden, um mit den Tauchlehrern und/oder Tauchschülern den Tag im Wasser zu beginnen und habe meine Arbeit abends um 18 Uhr mit einem Sonnenuntergang und einem Longdrink beendet.  Freie Tage gab es für mich eher selten, denn meine Arbeit hat sich nicht wie Arbeit angefühlt.  

„Das Basistauchlehrer-Dasein, wie du es aus Thailand kennst, gibt es in Deutschland nur an sehr wenigen Stellen“, erklärt mir Ralph. „Die meisten Tauchsportgeschäfte, wo Tauchlehrer angestellt sind, liegen im Innenland und fahren am Wochenende [ans Meer oder einen See].“  

Nach einem Jahr als Tauchlehrer in Hamburg hat Ralph sich mit einem Partner dazu entschlossen einen eigenen Tauchladen aufzumachen. Die ersten Jahre hat Ralph selbst viele Tauchschüler ausgebildet. Das hieß, Freiwassertauchgänge nur an den Wochenenden und Theorieunterricht und Tauchen im Pool in der Woche. Für die Freiwassertauchgänge fahren sie Samstag morgens in aller Früh raus an die Nordsee oder ins Hemmoor und kommen sonntags späten Nachmittag zurück.  

Die Tauchgänge selbst machen nur rund 1/3 der Arbeit aus. Daneben muss man mit den unterschiedlichsten Menschen umgehen können, stetige Freundlichkeit und Fürsorge wird erwartet. Auch die Ausrüstung will täglich gewartet werden. Der Tauchlehrer ist Ausbilder, Animateur und Ausrüster in einer Person.  

In Thailand sieht das Ganze ein kleinwenig anders aus. Fast jeder Tag gleicht dem anderen. Morgens in aller Früh fährt man entweder mit dem Tauchboot raus, geht vom Strand aus ins Meer oder hat Theorieunterricht mit seinen Tauchschülern. Das variiert je nach Tag und Ausbildungsgrad der Schüler. Neben den üblichen Aufgaben als Tauchlehrer, muss man die Tauchschule putzen, Equipment-Pflege betreiben oder auch mal im Büro dem Chef helfen. Abends wird die Teilnahme an Partys erwartet, denn die Tauchschüler wollen weiter animiert werden. Der Durchschnittslohn sieht jedoch alles andere als gut aus. Es gibt zu viele Tauchlehrer, die von der Arbeit im Urlaubsparadies träumen. Besser sieht es aus, wenn man in einer Tauchschule in Europa arbeitet oder einfach wie Ralph seine eigene Tauchschule aufmacht. Doch da fehlen meist der direkte Kontakt zur Natur und das freie Sommergefühl.  

Das Leben auf der Insel Koh Tao ist zwar recht einfach, aber dafür hat man jeden Tag das unglaubliche Privileg die Unterwasserwelt mit ihren unvergleichlichen farbenprächtigen Korallen und faszinierenden Lebewesen zu bestaunen.