In letzter Zeit wurde ich oft mit dem Thema Lebensmittelspende konfrontiert. Weswegen ich mich gefragt habe, wie das denn eigentlich funktioniert und warum es wichtig ist zu spenden. Seitdem ich 15 Jahre alt war, habe ich immer in Supermärkten oder Gastronomien gejobbt. Keiner dieser Unternehmen hat je Essen gespendet. Sie haben es damit begründet, dass es schlichtweg zu teuer sei. Aber ist es das wirklich? Und wie gravierend sind die Lebensmittelverschwendung und die Hungersnot in Deutschland eigentlich? Manchmal ist es gar nicht so leicht sich mit solchen Themen auseinander zu setzen. Man selber ist nicht betroffen und es ist einfacher solche schwierigen Themen zu ignorieren. Denn jeder hat seine eigenen Probleme. Die Probleme anderer sind uns so lange egal bis wir dieselben haben. Das liegt in der Natur des Menschen. Wir sind uns unserer Kollektivität nicht bewusst und arbeiten lieber gegeneinander. Es ist schwer als Individuum zu helfen oder etwas zu bewegen. Oder etwa nicht?

Allgemeine Informationen

Auf der Welt gibt es knapp 7 Milliarden Menschen und rund 1 Milliarde davon muss täglich hungern. Die globale Lebensmittelproduktion würde ausreichen um 12 Milliarden Menschen satt zu machen. In Deutschland muss niemand hungern – dieser Satz stimmt leider nicht. Zwar ist chronische Unterernährung in Deutschland heute recht selten, aber die Menschenrechtsorganisation FIAN sagt, dass immer mehr Menschen in Deutschland nicht in der Lage sind, sich angemessen zu ernähren. Besonders davon betroffen sind Kinder aus Hartz-IV- Haushalten, Rentner und Flüchtlinge. ,,Dabei geht es nicht nur darum, satt zu werden, sondern darum, gesund zu bleiben”, sagt Ernährungswissenschaftler Hans Konrad Biesalski von der Uni Hohenheim. ,,Viele Deutsche leiden unter verstecktem Hunger.” Die wichtigste Ursache dieses Missverhältnisses ist die Verschwendung von Lebensmitteln.

Laut der Umweltstiftung WWF, werden allein in Deutschland jedes Jahr rund 18,4 Tonnen an Nahrung in den Müll geworfen. Im Schnitt landen also 313 Kilo genießbare Nahrungsmittel pro Sekunde im Müll. 

Gründe für die Lebensmittelverschwendung

Das Hauptproblem dieser Lebensmittelverschwendung sei der Endverbraucher, sagt die WWF Studie ,,Das große Wegschmeißen”. Die Bürger würden knapp 39 % von dem Müll produzieren und die restlichen 61 % der Lebensmittelabfälle stammen von Einzelhändlern, Großhändlern und Gastronomien. 

Andererseits ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) auch ein wichtiger Grund, weswegen genießbare Lebensmittel vernichtet werden. Das MHD gibt an, bis zu welchem Termin ein Lebensmittel bei sachgerechter Aufbewahrung auf jeden Fall ohne wesentliche Geschmacks- und Qualitätseinbußen sowie gesundheitliches Risiko zu konsumieren ist. Die meisten Lebensmittel kann man auch noch nach Ablauf des MHD risikofrei genießen. Ausgenommen davon sind natürlich frisches Fleisch und Fisch. 

Lebensmittelspende als Lösung gegen die Hungersnot

Ein Weg diese Hungersnot zu bekämpfen, wäre die Lebensmittelspende. Dafür gibt es z.B. Organisationen, wie die Tafel oder foodsharing.de. Dort kann man Backwaren, Obst, Gemüse, verpackte Lebensmittel mit laufendem/ nahendem MHD, Saisonartikel nach Ablauf der Saison (z.b. Schoko-Osterhasen), fehlerhaft deklarierte oder verpackte Ware und Ware mit Etiketten in Fremdsprache spenden. Anders sieht das bei offener Frischware (z.b. zubereitet Salate), Waren mit abgelaufenem Verbrauchsdatum, Zigaretten und Alkohol aus. Diese Waren darf die Tafel nicht annehmen.

Aber die Frage ist wie funktioniert das mit dem Spenden und warum tun es so wenige Unternehmen? 

Spendet ein Betrieb Lebensmittel, handelt es sich bei dieser eigentlich unentgeltlichen Abgabe aus umsatzsteuerlicher Sicht um eine Lieferung gegen Entgelt (§ 3 Abs. 1b UStG). Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer ist der fiktive Einkaufspreis zum Zeitpunkt der Abgabe (Abschnitt 10.6 Abs. 1 S. 1-3 UStAE). Jedoch gibt es seit 2012 hierzu eine neue Regelung, die bundesweit gilt. Bei einer kostenlosen Abgabe von Lebensmitteln durch Bäckereien an Spendenorganisationen kurz vor Ablauf des MHD oder der Verkaufsfähigkeit als Frischware wird von einer Umsatzsteuer abgesehen. Die Belastung mit einer Umsatzsteuer würde in diesem Fall eine unbillige Härte darstellen, da eine Vernichtung der Lebensmittel keine Umsatzsteuer zur Folge hätte. Einzige Voraussetzung für die Befreiung von der Umsatzsteuer ist, dass der Spender keine Spendenquittung erhält.

Somit ist das Spenden für Unternehmen kostenlos. Aber ist es auch einfach?  Die Unternehmen können sich mit der Tafel telefonisch in Verbindung setzen. Dafür gibt es verschiedene Telefonnummern, je nach Stadt. Wenn dies geschehen ist, fahren die Tafelmitarbeiter zu dem jeweiligen Unternehmen und holen sich die dort bereitgestellte Ware ab. Diese wird dann von den Tafelmitarbeitern an verschiedene Anlaufstellen der Tafel verteilt. Folglich müssen die Unternehmen nichts weiter tun als die Tafel anzurufen. Der Arbeits- und Zeitaufwand ist sehr gering. 

Aber warum spenden dann nicht jeder Bäcker und jeder Supermarkt? Dafür mag es verschiedene Gründe geben. Zum einen gilt die neue Regelung für die Umsatzsteuer erst seit 2012 und viele Unternehmen kennen diese noch nicht. Zum anderen ist es den meisten wahrscheinlich einfach egal und sie sparen sich diesen Aufwand oder verkaufen ihre Ware als Tierfutter weiter, um noch mehr Profit zu machen.

Was kann ich eigentlich selber, als Privatperson, gegen die Lebensmittelverschwendung tun?

Der Fernsehkoch Christian Rach hat hierfür ein paar gute Tipps. Man könnte z.b. bewusster einkaufen, frisch kochen und/oder richtig lagern. Vieles kann man auch einfrieren. Ich selber lebe z.B. in einer WG und kaufe somit nur Essen für mich ein. Deswegen friere ich gerne mein Brot ein, damit es nicht schimmelt, bevor ich es essen kann. Wenn man das Brot dann essen möchte, kann man es einfach toasten und es schmeckt dann genauso wie nicht-eingefrorenes Brot. 

Auch die kleinsten Veränderungen bei dem Umgang mit Lebensmitteln kann helfen. Es reicht, wenn man mit kleinen Schritten anfängt und erst einmal bewusster einkauft und weniger an Essen wegschmeißt. Wenn man mal zu viel gekocht hat, kann man es einfrieren oder wenn man in den Urlaub fährt, kann man übrig gebliebene Lebensmittel den Nachbarn, Eltern, Freunden oder Mitbewohnern geben. Man muss auch nicht gleich jeden Joghurt wegwerfen, bei dem das MHD abgelaufen ist. Sondern man kann erst einmal nachgucken, ob er wirklich schlecht ist. 

Ich selber versuche so wenig Essen wie möglich bzw. gar kein Essen wegzuschmeißen. Ich versuche alles aufzuessen, was ich einkaufe oder ich friere es ein oder gebe meinem Freund was mit. Auch wenn daraus mal ein Resteessen wird, was nicht Social Media tauglich ist!

Um mir das Thema näher zu bringen, stelle ich mir immer vor, dass ich irgendwann vielleicht selber in Altersarmut leben muss und ich mir dann wünschen würde, dass andere Leute für mich spenden bzw. weniger an Essen wegwerfen. Jemand aus meiner Familie selbst, wäre als Baby sogar fast verhungert, weil ihm seine Eltern nichts zu essen gegeben haben. Deswegen rufe ich mir diese Dinge immer wieder ins Gedächtnis und bin einfach dankbar dafür, dass ich kein Hunger leiden muss und es auch noch nie musste!!!